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Freilernen – Selbstbestimmt

„Jede Familie geht und hat da ihren eigenen und individuellen Weg“

 

 

Es ist ein wundervoller Gedanke, seinen Kindern die Möglichkeit bieten zu wollen, dass sie völlig frei und selbstbestimmt aufwachsen.

Die Bindung zu seinen Kindern zu stärken, wenn man nicht der Er“ziehende“ ist, sondern in Beziehung zu seinem Nachwuchs steht.

 

 

Es ist erfüllend, wenn man sieht, wie die Kinder durch Selbstbestimmung aufblühen.

Zwei Seiten!

Die glänzende Seite der Medaille kennt man, wenn man sich denn in dieses Thema intensiv eingelesen hat, zur Genüge. Im Bezug auf das freie Lernen beinhaltet dies das Losgelöst sein von dem Zwang des Schulbesuchs. Allerdings sollte man immer beide Seiten betrachten.

Wie bringt man nun diesen Gedanken der selbst bestimmten Bildung mit einem Leben in Deutschland in Einklang?

Eher gar nicht. In vielen Foren kursieren die Gerüchte, man könne dies auf verschiedenen Wegen erreichen. Eine beliebte Formulierung ist: „Jede Familie geht und hat da ihren eigenen und individuellen Weg“. ????????????????????????????????????????????????????????????????????

Wie genau dieser Weg dann allerdings aussieht, erfährt man erstmal nicht. Die wenigen (noch) in Deutschland lebenden Familien, welche sich entschieden haben sogenannte „Freilerner“ zu werden, halten sich zumeist bedeckt.

Hinweise? Antworten?

Verständlich, denn es würde wenig motivierend wirken von den Gerichtsterminen, Bußgeldern und Terminen mit dem Jugendamt zu berichten.

Sicher, es gab bereits kleine Interviews in Schriftform, sowie auch Fernsehsender, welche dieses Thema aufgegriffen und in kleinen Dokumentarfilmen wiedergegeben haben. Doch auch hier gab es von den Familien KEINE konkreten Hinweise, wie andere Familien diesen (in Deutschland illegalen) Weg gehen könnten.

Bzw. existiert ein „Leitfaden zum zivilen Ungehorsam“. Anhand dessen man aber auch keine sicheren Informationen erhält. Mit sicher meine ich die Sicherheit, dass einem nicht der Kindesentzug droht. 

Es wird von Seiten einiger Freilerner versichert, dass ein Entzug des Sorgerechts nur dann drohe, wenn in der Familie etwas nicht in Ordnung ist. Im Normalfall sei dies selten der Fall. Nun wer möchte schon, dass sein Nachwuchs als Versuchskaninchen herhalten muss? Versuchskaninchen im Sinne von: Wir schauen mal, ob das mit dem Freilernen klappt, ob das Jugendamt sich uns gegenüber dann wohlwollend zeigt und ob wir als Familie zusammen bleiben dürfen. Was als „im Normalfall“ gilt, darauf gibt es auch keine Anworten?

Diese schwammigen Aussagen implizieren hauptsächlich folgendes: Lebt das Kind in einem finanziell abgesicherten Umfeld, in welchem Friede, Freude, Eierkuchen herrscht, dann besteht keine Gefahr oder nur wenig von Seiten des Jugendamtes belangt zu werden. Nun ist es aber eine Tatsache, dass nicht nur besser situierte Menschen einen solchen Weg gehen möchten.

Halbwahrheiten

Stellen wir mal zwei fiktive Beispielfamilien einander gegenüber.

Familie X vs. Familie Y

Familie X:

Mutter und Vater, Eigentümer eines Hauses, dieses steht in einer angesehenen Wohngegend, beide sind selbständig, beide immer zu Hause, aufgrund ihrer finanziellen Mittel sind die Kinder an diversen Fernschulen angemeldet

Familie Y:

eine alleinerziehende Mutter, lebt in einem Mehrparteienhaus in einer nicht als „gut“ bekannten Wohngegend, Halbtagsjob

Dies sind mit Sicherheit überspitzt dargestellte Extrembeispiele, allerdings dienen sie der Verdeutlichung dessen, wer denn nun die besseren Chancen dem Jugendamt gegenüber hat. Sollte dies ein „gangbarer“ (auch eine beliebte Formulierung in diesen Kreisen) Weg sein, weshalb versucht man dann nicht offener darüber zu kommunizieren?

Weshalb speist man Fragesteller mit Halbwissen und Halbwahrheiten ab? Das klingt bisher alles sehr negativ. Dies ist nicht beabsichtigt – es soll euch nur die Realität in Deutschland nahe bringen.

Frei

„Freilerner“ lassen ihren Kindern die Wahl. Sie dürfen wählen, ob sie die Schule besuchen möchten oder eben nicht. Das mag auf den ersten Blick positiv erscheinen, doch haben manche dann Probleme ihren Alltag mit dem freien Willen ihrer Kinder in Einklang zu bringen. Darauf gehe ich in einem meiner nächsten Artikel näher ein.

Wir bleiben vorerst bei dem Thema bzw. dem Irrglauben, man könne seine Kinder „einfach mal so“ von der Schulpflicht in Deutschland befreien. Manch wenige Eltern, welche die finanziellen Möglichkeiten haben, die zwangsweise auf sie zukommenden Bußgelder zu bezahlen, blicken der Sache sicher gelassener gegenüber, als Eltern, denen dieses „Polster“ fehlt. Auch hilft es sicher ungemein, wenn man gewisse Kontakte hat.

Es wird auch oftmals nur in Nebensätzen erwähnt, dass das eigene Kind zwar zu Hause ist und offiziell von der Schulpflicht befreit ist, dass es sich dabei um einen besonderen und begründeten Einzelfall handelt wäre aber eine super wichtige Information.

Gesetzlich gesehen ist es so: Die Schulpflicht gilt nicht ausnahmslos. Die Möglichkeit von ihr befreit zu werden besteht durchaus. In allen Schulgesetzen unserer 16 Bundesländer ist vermerkt, dass eine Befreiung möglich ist. Allerdings nur in besonders begründeten Ausnahmefällen.

Beim Lesen auf verschiedenen Plattformen bekommt man den Eindruck, dass „Freilerner“ ihre Art zu leben regelrecht glorifizieren. Wie bereits weiter oben erwähnt kritisiere ich die fehlende offene Kommunikation über die (angeblichen) Möglichkeiten. Nun sind noch immer viele Fragen offen – auf welche ich in einem meiner nächsten Beiträge eingehen werde

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